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So einfach

Hochhäuser mit Mehrwert

Von Florian Novak am 28. November 2014

Simple „quadratisch-praktisch-gut“-Bauten, welche die Silhouette Wiens prägen, soll es künftig an der Donau nicht mehr geben. Wolkenkratzer müssen in Zukunft mehr zu bieten haben, als Platz zum Wohnen oder zum Arbeiten.

8985885994_318c833be8_zDass Wien architektonisch Millionen von Menschen aus aller Welt begeistert, fußt auf Überlegungen aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Zum einen wurde ab 1856 zwischen der Inneren Stadt und den Vorstädten die Ringstraße sehr planerisch angelegt. Etwas mehr als zehn Jahre später begann die Regulierung der Donau. Parallel dazu entwarfen die Stadtplaner ein Konzept für die Zonen zwischen Donaukanal und Alter Donau. 1893 schließlich entstanden die Bauklassen, welche die Gebäudehöhen noch heute definieren. Im ersten Bezirk stehen deshalb Gebäude mit einer Höhe von maximal 26 Metern, in den Bezirken 2 bis 9 und 20 sowie zum Teil im 10. und 22. Bezirk dürfen Häuser nicht höher als 21 Meter sein. Außerhalb des Gürtels gilt ein Höchstmaß von 16 Metern. Diese Regulierungen haben zum geordneten und architekturhistorisch bedeutsamen Stadtbild beigetragen.

Hochhäuser nicht vorgesehen

Einen Haken hatte diese Steuerungsmaßnahme allerdings: Die höchste Bauklasse VI für Bauwerke mit mehr als 26 Metern wurde keiner Stadtzone zugeordnet, geschweige denn wurde über Hochhäuser ab 35 Metern nachgedacht. Denn bis zu den 1950er-Jahren war das – abgesehen von Experimenten in der Herrengasse oder beim Engels-Hof – überhaupt kein Thema. Spruchreif wurde das Ganze erst in den folgenden zehn, zwanzig Jahren. Da durchbrach man bewusst diese Gebäudehöhenregeln, etwa in Alt-Erlaa, der Großfeldsiedlung, der Siedlung Mitterhofergasse oder in der Quadenstraße.

Trend zum Wolkenkratzer

Ende der 1970er-Jahre wurde mit den Arbeiten zum Stadtentwicklungsplan 1984 eine weiterentwickelte Stadtidee und Grundstruktur für Wien formuliert. Diese wurden 1994 noch weiter bearbeitet, und zwar auf Basis des Hochhauskonzeptes von COOP Himmelb(l)au/Synthesis. Dieser Entwurf findet sich heute allerdings nur entlang der U1 zwischen Donau-City und Wagramer Straße. Trotzdem: Der Trend zum Wolkenkratzer ist nicht nur international erkennbar. Auch wenn es in Wien unter den über 150.000 Gebäuden nur rund 250 mit einer Gesimshöhe von mehr als 40 Metern gibt, die Stadtplaner sind bemüht, aufkommende Architektenträume zu reglementieren.

Neue Nutzungsvorgaben

Die jüngste Bestrebung: den Skyscrapern nicht nur im Bezug auf die Architektur, sondern auch auf die Nutzung Vorgaben zu machen. Projektwerber müssen etwa eine Standortanalyse, ein Verkehrsgutachten, eine Sichtachsenstudie und eine Untersuchung zu Wind und Beschattung vorlegen, bevor eine Flächenwidmung überhaupt geprüft wird. Plus: Das Projekt muss einen öffentlichen Mehrwert haben. Das kann preiswerter Wohnraum sein, aber auch mehr Grün, mehr Spielplätze oder eine bessere Vernetzung in einem Stadtgebiet.

DC Tower macht es vor

Eines der Paradebeispiele, das bereits in diesem Sinne umgesetzt wurde, ist der DC Tower in der Donau-City. Das 250 Meter hohe Gebäude ist – abgesehen vom Donau-Turm – das höchste Bauwerk Wiens. Es umfasst 57 Stockwerke und kombiniert die Ästhetik von Architekt Dominique Perrault mit „grüner“ Bauweise und Funktionalität. So verfügt der DC Tower 1 über eine gute, öffentliche Verkehrsanbindung. E-Tankstellen motivieren dazu, mit dem Elektroauto anzureisen. Im Gebäude selbst werden durch das Immobilienunternehmen BAR rund 44.000 m2 an Bürofläche vermarktet; hochwertige Mietwohnungen könnten folgen. Ein hoher Grünflächenanteil und eine Tiefgarage helfen, die städtische Wärmeinsel zu reduzieren. Die Auswahl heimischer Pflanzenarten in der Grünanlage, die weniger Wasser benötigen als „Exoten“, tragen zur Reduzierung der Grünflächenbewässerung bei. Das Beispiel zeigt: Auch in Zukunft werden Hochhäuser in Wien möglich sein, aber nur, wenn sie den umfassenden – und sicherlich ebenso hohen – Anforderungen der Stadtplanung Rechnung tragen.

Via: Projekte von COOP Himmelb(l)au, DC Tower von BAR, Architektur von Dominique Perrault

Bilder: flickr.com/(c)hedyelyakim


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