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So einfach

Gedichte mal anders

Von Florian Novak am 26. Februar 2016

Jungen Menschen Gedichte nahezubringen ist nicht immer leicht. Daran ist schon so mancher Deutschlehrer gescheitert. In den letzten Jahren hat sich aber ein Trend aus den 60er Jahren immer weiter verbreitet, der es doch schafft, das Interesse bei vielen zu wecken. Es handelt sich dabei um „Poetry Slam“: Vortragswettbewerbe, in denen Menschen selbst geschriebene Gedichte und Texte mündlich vortragen.

Poetry Slam 2Ein Gedicht, das vor mehreren hundert Jahren geschrieben wurde und einem nur schriftlich vorgelegt wird, hat es schwer, zu begeistern. Bei einem Vortrag von echten Menschen, die Gedichte aus ihrem eigenen Leben schreiben, sieht das Ganze gleich anders aus. Poetry Slammer legen oft so viel Gefühl in ihre Vorträge, dass man glaubt, sie würden von unserem eigenen Leben erzählen. Das Vortragen ist damit ein sehr wichtiger Bestandteil dieser Kunst.

Eine junge Studentin, die sehr zur Bekanntheit des Poetry Slams beigetragen hat, ist Julia Engelmann. Sie wurde Anfang 2013 durch ein Youtube-Video bekannt, das mittlerweile 9 Millionen Aufrufe hat. Es zeigt ihren Vortrag bei der Poetry Slam Veranstaltung „5. Bielefelder Hörsaal-Slam“. Abgeleitet von dem Folk-Rock-Song „One Day“ von Asaf Avidan, ruft der Text den sie vortrug zu einem bewussteren und besseren Nutzen der Zeit, die wir zu leben haben, auf.

Mittlerweile ist Julia Engelmann im deutschsprachigen Raum für ihre Gedichte und Vorträge bekannt und berühmt. Sie tritt vor tausenden Personen und als „Vorband“ vor Sängern wie Tim Benzko auf. Mit ihren Texten und ihrer ganze eigenen Art, diese vorzutragen, hat sie es geschafft viele, vor allem junge, Menschen zu inspirieren und deren Interesse an Poetry Slam zu wecken. Wer einmal so gute Poetry Slams gehört hat, möchte darauf auch nicht mehr verzichten. Wenn Poetry Slams für Sie etwas neues sind, sollten Sie unbedingt auch einmal hineinhören! Zur Einstimmung, haben wir hier einen kleinen Vorgeschmack für Sie:

„Und ich denke zu viel nach.

Ich warte zu viel ab.

Ich nehm mir zu viel vor –

und ich mach davon zu wenig.

Ich halt mich zu oft zurück –

ich zweifel alles an,

ich wäre gerne klug,

allein das ist ziemlich dämlich.

Ich würde gern so vieles sagen

aber bleibe meistens still,

weil, wenn ich das alles sagen würde,

wär das viel zu viel.

Ich würd gern so vieles tun,

meine Liste ist so lang,

aber ich werd eh nie alles schaffen –

also fang ich gar nich´an.“

– Julia Engelmann, One Day/ Reckoning Text

Bilder: flickr/ Crosa


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