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Auszeit

Eine andere Welt in einer anderen Welt – Taghazout

Von Florian Novak am 29. April 2015

An die graue, kaum durchdringliche Nebelsuppe unserer Breitengrade gewohnt, glaubt man erst, man erblinde an der gleißenden Sonne und der von ihr in Glanz gekleideten Gebäudekomplexes des Flughafens in Agadir.
Tatsächlich ist der Flughafen rund 25 Kilometer von Agadir entfernt und stellt schon mal die erste Hürde dar, die es am Weg zum Meer zu überwinden gilt. Denn das öffentliche Verkehrssystem der Provinz ist alles andere als übersichtlich.

Die Küstenstadt ist eine der größten in Zentral Marokko und überdies das Zentrum der gleichnamigen Provinz Agadir in dem die überwältigende Mehrzahl der Einwohner, so wie im „Speckgürtel“ der Stadt Amazigh, die Sprache der Berber sprechen. Im Kontrast zu beispielsweise Marrakesch hat Agadir aufgrund eines starken Erdbebens 1960 kaum noch historische Bauten, bis auf die Kasbah, welche 240 Meter über dem Meeresspiegel vom Erdbeben verschont wurde.

Unberührte Naturparadiese

Knapp 20 Minuten Fahrt entlang der Küste und unzähligen Ferienanlagen, welche jüngst von Agadir als Antwort auf den schwindenden Tourismus gebaut wurden, offenbart sich ein scheinbar verschlafenes Dörfchen als kunterbunter Dreh- und Angelpunkt der afrikanischen Surferszene. Während Europa zu Beginn des Jahres noch im tiefsten Winterschlaf ist, hat Taghazout gerade Höchstsaison. Surfer aller Welt paddeln für die vermeintlich beste Welle Afrikas um die Wette. Außerhalb des Wassers sind die sonst so kompetitiven Surfer angenehme Zeitgenossen. Harmonische Strand- Lagerfeuern und Ausflüge in unberührte Naturparadiese sind an der Tagesordnung. Eine kleine Welt abseits des üblichen Bildes Marokkos, und überdies der üblichen Probleme, welche wir sonst mit uns tragen.

Paradise Valley in der Nähe von Taghazout

Paradise Valley in der Nähe von Taghazout

Das Herz des Dorfes bildet ein Marktplatz, kaum größer als ein österreichisches Grundstück der Mittelklasse, der durch reges Treiben der Einwohner zu pulsieren scheint. Sei es das Schwadronieren eines Obsthändlers, welcher mit saftigen Orangen und unproportionalen Avocados lockt, oder das Geschrei der Fußball spielenden Kinder, die das Zentrum des Platzes auf die Dauer eines Spieles in ein Fußballstadion verwandeln, das nur von dem delirischen Meditieren des Tagesgebetes übertönt wird, das zur Mittagszeit sowie bei Abendröte durch die verwinkelten Gassen schallt. Abseits des regen Treibens findet man in engen Passagen Zuflucht von der drückenden afrikanischen Sonne, die vom Hauptplatz direkt zum Meer- und zu den Surfspots führen.

Taghazout

Taghazout

Ein Surferparadies

Verbringt man einen Tag am Anchor Point, das Riff an denen sich die besten Surfer der Welt messen, wird man unmittelbar Zeuge der majestätischen Wucht des atlantischen Wellenaufgebots. Ungeachtet der nicht so abwegigen Gefahr, jederzeit von einer Welle an dem wie Speerspitzen emporragenden Gestein zu zerschellen, schießen die Surfer eine Wellenwand entlang, fest entschlossen, die unerbittlichen Gewalten des Meeres zu bändigen.

Anchor Point

Anchor Point

Gleich den verwinkelten Gassen des Dorfes führen unscheinbare Pfade zu zahllosen versteckten Diamanten unberührter Natur, die schon 1960 von der Hippiebewegung als sinnliche Selbstfindungsoasen erschlossen wurden. Taghazout gewährt mit einer farbenfrohen Mischung aus lebensfrohen Menschen und packenden Naturspektakeln jedem Besucher Eintritt, der seinen Alltag hinter sich lassen kann, um sich einer neuen Erfahrung hinzugeben. Wahrlich eine Oase der Entschleunigung in einer vernetzten und schnelllebigen Welt.

Bilder: Cozy backpackers-surfhostel 


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