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Musik, Pleasure

Van Morrison – „Astral Weeks“: Geschichten, die man nicht nur hört – sondern fühlt

Ein Album wie ein Erinnerungsschimmer an schöne Momente

Es gibt Platten, die sind klar und fertig erzählt. Und dann gibt’s „Astral Weeks“. Das ist eher wie ein Abend, an den du dich Jahre später erinnerst: du weißt nicht mehr jedes Detail, aber du weißt genau, wie er sich angefühlt hat. Warm. Weh. Schön. Und irgendwie zeitlos.

1968 – und trotzdem komplett im Jetzt

Das Verrückte ist: „Astral Weeks“ ist 1968 erschienen – also ein Album aus einer ganz anderen Zeit. Und trotzdem klingt es nicht „alt“. Eher so, als hätte Van Morrison damals etwas aufgenommen, das nicht an Mode hängt, sondern an Gefühl. Genau deshalb wirkt diese Platte heute noch so unmittelbar: weil Sehnsucht, Jugend, Erinnerung und dieses Ziehen im Bauch kein Verfallsdatum haben.

Van Morrison als Geschichtenerzähler

Morrison erzählt hier nicht brav von A nach B. Er arbeitet mit Bildern: Straßennamen, Regenlicht, Stimmen aus offenen Fenstern, die Ahnung von Liebe, die noch gar nicht richtig begonnen hat – und doch schon nach Abschied schmeckt. Du musst nicht alles „verstehen“. Es reicht, dass es emotional trifft.

Drei Songs, drei Welten

Ein paar Stücke stechen besonders hervor, ohne dass man sie zerreden muss. „Sweet Thing“ ist eine Liebeserklärung, nicht geschniegelt, sondern ehrlich und dringlich – wie ein Satz, den man sagt, weil man sonst platzt. „Cyprus Avenue“ wirkt wie eine Szene aus einem Film: eine Straße, ein Blick, diese jugendliche Mischung aus Faszination und Unruhe – und plötzlich wird aus einem Moment ein ganzer Kosmos. Und „Madame George“ ist dann der große Sog: Figuren, Räume, kleine Details, Erinnerungsfetzen – als würdest du durch eine alte Nachbarschaft gehen, in der hinter jeder Ecke Vergangenheit wartet.

Der Sound: schwebend, lebendig, nah

Auch musikalisch ist das kein klassisches Singer-Songwriter-Album. Es schwebt irgendwo zwischen Folk, Soul und Jazz – beweglich, atmend, nie laut, aber immer präsent. Das trägt Morrisons Stimme perfekt: rau und zärtlich zugleich, manchmal fast flüsternd, dann wieder wie ein plötzlicher Ausbruch.

LoungeFM Hör-Tipp

Hör „Astral Weeks“ am Stück. Am besten abends, wenn die Welt leiser wird. Kein Skippen, kein Nebenbei. Diese Platte funktioniert wie eine Reise – und wenn sie dich erwischt, wirst du automatisch stiller.

Fazit (LoungeFM): „Astral Weeks“ ist Van Morrison als Poet und Erzähler – voller Sehnsucht, voller Bilder, voller Herz. Ein Album, das nicht einfach läuft. Es passiert.

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