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Auszeit

Havanna – Perle der Karibik

Von Sandra Sonnleitner am 18. August 2014

Sogenannte historische Momente können dem Ort ihres Geschehens anhaften wie ein Emblem, und Ort und Zeit dadurch nahezu untrennbar miteinander verweben. Vor allem wenn die historische Begebenheit nachhaltig Wirkung auf den Ort ihres Geschehens hat, wie dies auf Kuba der Fall ist, wo die Geschichte seit nunmehr 51 Jahren nachwirkt und die Insel vom Rest der Welt trennt.

Das Überleben Havannas in der andauernden Revolution Fidel Castros versetzt nicht nur bei der Betrachtung Florian Borchmeyers Darstellung von in Ruinen lebenden Menschen in dem Film “Havanna – Die neue Kunst, Ruinen zu bauen” in Staunen, sondern auch im Angesicht der Stadt. Ein ausgedehnter Spaziergang durch den Stadtteil La Habana Vieja oder Centro Habana offenbart Vielschichtiges: Einerseits die Trümmer der Hoffnungen der Revolution und koloniale Bauten, die ihren Charme trotz bröckelnder Fassade zumindest äußerlich behalten haben. Und andererseits die trotz knapper Mittel und mit simplen Methoden sanierten Bauwerke am sowie um den vormals heruntergekommenen Plaza Vieja, die nun Cafés, Restaurants und Hotels beherbergen.

Der Lateinamerikaexperte Gerhard Drekonja-Kornat trifft es auf den Punkt, wenn er zu Beginn seiner Abhandlung über Havanna die Metropole mit den Worten des kubanischen Schriftstellers Leonardo Padura als physisch und moralisch heruntergekommene Stadt bezeichnet, die selbst in der Verwesung phosphoresziert wie ein überdimensionaler Feuersalamander.

Havanna wird dadurch zu einer kaum fassbaren Stadt, deren Komposition nichts Vergleichbares gegenüber steht. Jene architektonische Einzigartigkeit gepaart mit etwas revolutionärer Romantik ist es, was der Stadt ihre Exklusivität als Schauplatz für die Zusammenkunft von Oldtimern, Zigarren und Musik verleiht. Und obwohl nun bereits seit 20 Jahren der Tourismus Einzug in Kuba hält, kann trotz zahlreicher arrangierter Begebenheiten hie und da etwas Authentizität erlebt werden. Beispielsweise anhand fußballspielender Kinder auf dem Rasen um das Kapitol oder anhand einer Gruppe von älteren Männern, die sich unter dem schattenspendenden Rundbogen eines Gebäudes zum Domino spielen versammelt haben. Oder auch durch einen Baseball, von dem man auf dem Prado getroffen wurde.

Der Eindruck der Obskurität, den diese Stadt bei erstmaliger Begegnung wohl häufig hinterlässt, weicht schnell einer fortwährenden Neugier, der die Ahnung innwohnt, dass hinter jeder Ecke neues Ungeahntes wartet. Bleibt nur zu hoffen, dass die alten Stadtteile Havannas ihr multiples Erscheinungsbild über die Castros hinaus zu bewahren wissen, sodass dieser besondere Zauber weiterhin erhalten bleibt.

via: Havanna, Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft; Bilder: Sandra Sonnleitner

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