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Auszeit, Entspannung, Musik

Wo sprichst du? Wie das Gehirn Schallquellen ortet.

Von Nina Bayer am 26. Juni 2018

Bei einem Gespräch im voll besetzten Raum vollbringt unser Gehirn eine Meisterleistung.

Das Gehirn kann Klänge unterscheiden, die aus unterschiedlichen Richtungen an unser Ohr dringen. Das scheint selbstverständlich. Doch auch hierbei nutzt das Hörsystem gleich mehrere Effekte – winzige Unterschiede, die durch das Hören mit zwei Ohren entstehen. So erreichen die Schallwellen von ein und derselben Quelle die beiden Lauscher nicht gleichzeitig: Auch wenn es sich nur um Bruchteile von Sekungen handelt, kommen sie an dem Ohr, das dem Ursprungsort näher liegt, früher an. Man spricht von interauralen Zeitunterschieden (ITD interaural time difference).

Ein weiterer hilfreicher Effekt entsteht dadurch, dass der Kopf, insbesondere bei höheren Frequenzen – schalldämpfend wirkt. So ergeben sich minimale Unterschiede in  der Lautstärke zwischen den Ohren, die sogenannten interauralen Intensitätsunterschiede (IID interaural intensity difference).

Schließlich kann das Hörsystem zur Auswertung der Richtung des einfallenden Schalls noch die unterschiedliche Phasenlage der Schallwelle – einen sich stetig verändernden Winkel, der durch die Schwingungskurve entsteht – an beiden Ohren auswerten (IIP interaural phase difference).

Die oberen Olivenkerne des Hirnstamms werten die drei Parameter ITD, IID und IPD aus. So bestimmt das Gehirn die Richtung, aus welcher der Schall innerhalb einer Eben kommt, außerordentlich genau. Sind die Parameter an beiden Ohren gleich, so muss der Ton entweder direkt von vorn oder direkt von hinten kommen. Was zutrifft, berechnet das Denkorgan aus der so genannten spektralen Verzerrung des Schalls: Er wird an den beiden Ohrmuscheln reflektiert, was manche Frequenzanteile verstärkt, andere hingegen dämpft. Ob ein Geräusch eher von oben oder von unten kommt, erkennt das Hörsystem ebenfalls an dieser Verzerrung.

Quelle: Gehirn&Geist Dossier

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