Tagtäglich erreichen uns neue Katastrophenmeldungen, die jedoch zumeist von uns Menschen selbst geschaffen wurden - sei es durch Umweltverschmutzung, Globalisierung oder sonst eines der ebenso häufig zu hörenden Schlagworte. Daher versammelt die heurige Ars Electronica unter dem Motto „REPAIR - sind wir noch zu retten” Pioniere und Visionäre aus aller Welt, die an Auswegen aus diesem selbstgegrabenen Dilemma suchen. Und absolut optimistisch setzt man auf den Slogan bewusst kein Fragezeichen, denn die Veranstaltenden sind davon überzeugt, dass diese nun hier nicht gestellte Frage, gemeinschaftlich mit einem klaren “Ja” beantwortet werden kann.
Ohne Pessimismus, sondern inklusive einem begeisterten und begeisternden Lustmachen auf einen Paradigmenwechsel werden in über 200 Konferenzen, Ausstellungen, Performances und Konzerten neue Technologien präsentiert, diese jedoch ebenso im Vorfeld kritisch hinterfragt.
Ein riesiger Pluspunkt zeigt sich dieses Jahr zudem in der Location: Wurden früher verteilt an verschiedenen Orten in Linz die Projekte vorgestellt, kann man 2010 das gesamte Festival ausschließlich in der Linzer Tabakfabrik, einem der schönsten Industriebauten Österreichs, erleben. 1930 bis 1935 erweitert von den Architekten Peter Behrens und Alexander Popp, wurde mit dem weitläufigen Fabrikkomplex eine der konsequentesten Industriebauten des Funktionalismus geschaffen und ist mit über sämtliche alle Etagen verteilten, unglaublichen 80.000 Quadtratmeter nicht nur Bühne, sondern als denkmalgeschütztes Bauwerk selbst Ausstellungsstück.

Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich ein persönliches Kennenlernen mit ASIMO, einem der am weitesten entwickelten Roboter der Welt. Und mit diesem stellt sich auch die Frage, wie Roboter unser alltägliches Leben in Zukunft beeinflussen werden? Was, wenn jeder und jede von uns bald einen ASIMO an seiner beziehungsweise ihrer Seite hat?
Verabschieden jedoch werden wir uns von Plastiktüte, Fernsehröhre, Verbrennungsmotor sowie Glühbirne. Und jenen und anderen einstigen Symbolen für Moderne und Fortschritt wird das „Requiem for Dying Species” gewidmet. Spannend darüberhinaus sind diverse Präsentationen zur Wahrnehmungsforschung, worin sich die Grenzen zwischen digitalem und realem Raum auflösen und welche beispielsweise Anwendung bei Computerspielen oder sonstigen Unterhaltungsindustrie findet.
Und auch die Musik kommt nicht zu kurz - von akustischen Instrumenten bis Elektronik ist alles vertreten: Mit der Langen Konzertnacht 2010 beispielsweise begibt man sich auf einen akustischen Spaziergang durch die Linzer Tabakfabrik, wobei auch die verschiedenen Räume als Instrument benutzt werden, wie etwa im Hochregallager, wo der Hall über zwölf Sekunden lang zu hören ist.
Der Fixpunkt Klangwolke visualisiert am 4. 9. ein vielleicht bahnbrechendes Eisenbahnprojekt der Zukunft. Zum Soundtrack von Peter Valentin wird dem Publikum ein Überschall-Event-Experiment vorgestellt: Baby Jet, ein unterirdischer Magnetzug, der im Vakuumtunnel mit Überschallgeschwindigkeit fährt und mit 1200 km/h zum Beispiel in neun Minuten von Wien nach Linz fahren könnte. Und dabei handelt es sich nicht einmal um Zukunftstechnologie, sondern all dies wäre bereits machbar und könnte in den nächsten Jahren den Flugverkehr, der ja auf bald knapp werdenden fossilen Ölreserven basiert, ablösen.
Und wem nach all diesen Erkundungstouren die Füße etwas schmerzen, der findet ebenso schnelle und entspannte Abhilfe im festivaleigenen Wellness-Bereich, wo man sich die zurückgelegten Kilometer einfach wieder wegmassieren lässt.
Weitere Informationen: Ars Electronica 2010
REPAIR - sind wir noch zu retten, 2. - 11. September / Linz, Tabakfabrik