Im Interview: Georg Lichtenauer, Elektronik-Zauberer bei Valesta und Ghost Capsules
Elektronisch, melodisch und “verfreakelt”
Georg Lichtenauer ist ein umtriebiger Musiker. Seit 1999 produziert, mischt und legt der oberösterreichische Multiinstrumentalist auf. Mit seiner Band Valesta ist er über Österreichs Grenzen hinaus bekannt, mit der Single “Best Friends” erspielte sich Lichtenauer gemeinsam mit Gastsängerin Nomadee und MC Cobane im Jahr 2010 ein großes Publikum, schaffte es auf gotv und fast zur FM4 Soundpark-Band des Jahres.

Bei seinem neuesten Projekt “Ghost Capsules” ist kein Geringerer als der britische Elektronik-Musiker Tim Simenon beteiligt, besser bekannt als Bomb the Bass. LoungeFM hat sich mit Georg Lichtenauer im Café Landtmann getroffen, um mit ihm über Valesta, Ghost Capsules und die Unabhängigkeit von Labels zu sprechen.
LoungeFM: Du hast mit Tim Simenon ein neues Projekt am Start, Ghost Capsules. Kannst du dazu schon etwas sagen?
Georg Lichtenauer: Derzeit sind Tim, Roman Lugmayer (Schlagzeuger bei Valesta), ich und Laura Gomez dabei, die aus Barcelona kommt, aber in Berlin lebt. Wir sind zu viert, werden aber auch ein bisschen variieren und DJ-Sets zu dritt und zu zweit machen. Das kommt ganz auf den Gig an. Damit sind wir auch ein bisschen spontan.
Du fährst mit deinen vielen Projekten zweigleisig. Wie geht es sich bei dir aus, alles unter einen Hut zu bekommen?
Ich fahre sogar drei-, vier- oder fünfgleisig. Ich spiele nämlich bei Sir Tralala auch mit, dort spiele ich Synthesizer, Sampler - alles Elektronische.
Bist du Vollzeitmusiker?
Ja, ich probiere es. Auf jeden Fall. Das letzte Dreivierteljahr habe ich mich etwas zurückgehalten mit dem Spielen und viel mit Tim herumexperimentiert. Wir haben überlegt, wie wir das Projekt, den Aufbau und das Konzept machen. Auch, welche Art von Musik.

Wie klingen Ghost Capsules?
Ich glaube, wir haben jetzt das Richtige gefunden, so wie es uns gefällt. Es ist auf jeden Fall elektronisch, es ist melodisch und “verfreakelt”. Ich spiele die Instrumente ein, die Synthies und mache das Grundkonzept. Tim und ich arrangieren das Ganze dann. Live wird es aufgeteilt werden. Ich werde auf jeden Fall Synthesizer spielen, Tim wird viel mit Effekten arbeiten. Wir haben noch ein paar Sachen in petto, wie wir die Drums live “gscheid zerlegen” (Hier trifft Lichtenauers oberösterreichischer Dialekt so gut den Ton, dass wir es stehen lassen mussten.)
Wann und wo wird man Ghost Capsules kaufen können?
Ich habe das letzte Dreivierteljahr mit Tim gemeinsam extrem viel produziert. Jetzt arbeiten wir gerade am Album und an der EP. Die EP soll heuer herauskommen - “Bomb the Bass vs. Ghost Capsules” -, das Album nächstes Jahr. Wir werden auf jeden Fall schauen, dass wir die Musik selbst herausbringen. Das war Tim ein großes Anliegen, weil er auch viel Erfahrung mit großen Labels hat. Er will es gern auf eigene Faust machen. Das ist heute mehr oder weniger der einzige Weg. Der Do-It-Yourself-Weg. Eine gute Bookingfirma und eine Promotionfirma. Labels in dem Sinn braucht man gar nicht mehr.
Ist dir die Unabhängigkeit von einem Label und von Agenturen als Musiker wichtig?
Ja schon. Es gibt immer Probleme, man ist auf jemanden angewiesen, muss schauen, dass etwas weitergeht. Man ist denen völlig ausgeliefert. Wie gut die arbeiten, ist deren Sache. Oft ist es deprimierend, weil man sich denkt, die könnten viel mehr machen. Oder du selbst wüsstest bessere Sachen.
Hast du bei Valesta alle Fäden selbst in der Hand?
Ich bin gerade am Verhandeln mit einer Bookingfirma. Bei Valesta arbeiten wir gerade an einem neuen Liveset. Das soll im September stehen. Wir planen auch, dass wir ein neues Album machen. Matthias (Doblhammer, Synthesizer und Vocals) hat extrem viele Ideen und gute Nummern. Mit meinen schauen wir, dass wir was zusammen kriegen. Ich hoffe, dass wird das vielleicht schon im nächsten Frühjahr fertig haben, mit neuer Sängerin.
Ist Valesta Georg Lichtenauer und Georg Lichtenauer Valesta? Oder ist Valesta eine Band aus vier Personen?
Valesta war in den Anfängen Georg Lichtenauer alleine und hat sich in der Zwischenzeit zu einer Band aus vier Mitgliedern weiterentwickelt. Es macht Spaß, wenn man sieht, dass die anderen auch viel mit hineinwirken. Es ist lustiger, als wenn man nur alleine dort sitzt und etwas macht.
Was bedeutet Valesta?
Das war ein Gedankenblitz von mir. Ich habe es gegoogelt, nichts gefunden und genommen. Das liegt etwa zwölf Jahre zurück.
Worum geht es bei Valesta?
Ich schaue immer, dass ich mich weiter entwickle. Angefangen habe ich mit Sampeln, mittlerweile bin ich sehr beim selbst spielen und doch auch schon ziemlich Pop geworden. Ich bin eh ein alter Popper. Das Live-Spielen mit den Jungs macht mir viel Spaß. Es harmoniert, das sind extrem gute Musiker, und es klappt immer auf Anhieb. Da ist Gefühl drinnen. Es ist auch der Spaßfaktor beim Live-Spielen, der Valesta irgendwie ausmacht.
Wann hast du angefangen zu musizieren?
Mit sechs Jahren, Trompete an der Musikschule. Dann Klavier und Gitarre. Schlagzeug habe ich auch einmal gespielt in einer Band, “The Blowing Lewinsky”. Mit 14 habe ich ein Musikprogramm bekommen und angefangen, damit zu arbeiten.
Nimmst du deine Musik zu Hause auf?
Wir haben das ein bisschen aufgeteilt. Einen Proberaum im 19. Wiener Gemeindebezirk. Ich arbeite auch viel daheim. Der Weg soll nicht das Hindernis sein. Jetzt bauen wir gerade ein Studio im Werk (Anmk.: Kulturzentrum in Wien). Wir werden alles dort hinverlagern. Ich kenne etliche Leute im Werk. Es ist eine nette Atmosphäre, das Backsteingebäude ist für mich eine coole Inspirationsquelle.

Ich habe ein Plakat gesehen, auf dem “DJ Valesta” stand. Legst du auch auf?
Bei “We are the Robots” im Fluc habe ich das zum ersten Mal gemacht. Ich würde das gerne öfter tun. Es macht einfach Spaß, wenn man die Leute tanzen sieht. Ganz etwas anderes als selber spielen. Deswegen mag ich auch Tanzmusik machen.
Wie wichtig war der Song “Best Friends” und die Resonanz in Österreich? Wie hast du die gespürt?
In den Plays auf YouTube. In der AKM-Abrechnung. “Best Friends” ist super gelaufen. Auf jeden Fall war es wichtig. Für meine Zusammenarbeit mit Tim war es aber nicht relevant.
Kommst du beim Produzieren überhaupt noch dazu, dass du dich um Öffentlichkeitsarbeit kümmerst?
Ich habe schon immer meine kleinen Helferlein. Am liebsten wäre mir, ich hätte eine große Wohnung, wo alle da sind, drinnen sitzen. Ich gehe dann hin und frage: ‘Kannst du mir das bitte machen?’
Wird Valesta so hip-hoppig weitergehen wie auf dem Album “Best Friends”?
Nein. Valesta wird ziemlich schnell erwachsener werden. Es wird eher in Richtung Broken Beats gehen. Viel verspielter. Live soll es auf jeden Fall krachen. Tanzbar soll es sein, es soll dahin gehen. Ich finde es gut, wenn live und Album verschieden sind.
Das Interview führte Martin Riedl für LoungeFM. Alle Fotos (c) Josip Jukic-Sunaric
Am 2. September spielen Valesta ihr neues Live-Set am Bründl-Open-Air in Oberösterreich, Beginn ist um 19.00 Uhr.




Die Amerikanerin Colleen Murphy hat einen Club für Hörerinnen und Hörer gegründet. Denn es soll sie noch geben, die Menschen, die bewusst Musik hören: Die Nadel kratzt über das Vinyl, “Human League” tönen aus den Bassboxen. Schallplatten sind in Mode. Musikalben in voller Länge hören, mit allen Pausen, mit allen Störgeräuschen, das passiert heute trotzdem nur noch selten.
Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis