Der Ton macht die Musik
Dieses Sprichwort ist in jeder Hinsicht gültig. Der persönliche Musikgeschmack von Menschen ist nicht ganz so individuell wie man vielleicht annehmen möchte. Die grundlegende Präferenz für bestimmte Tonleitern folgt nämlich einem logischen und vor allem biologischen Grundprinzip.
Eine Tonleiter umfasst eine Reihe von Tönen, die innerhalb einer bestimmten Oktave geordnet sind und die Grundlage einer Komposition darstellen. Menschen können rund 240 Tonlagen unterscheiden, dennoch wird zur Komposition klassischer Werke, für Folk und Popmusik sowie für zahlreiche traditionelle Musikgattungen lediglich eine relativ kleine Zahl an Tonleitern, die typischerweise fünf bis sieben Tönen umfassen, herangezogen. Dem Grund für die Einschränkung auf ein vergleichsweise kleines Spektrum an Tonkombinationen versuchte ein Forschungsteam rund um Dale Purves von der Duke Universität in Durham nachzugehen.
In der Untersuchung wurde die Ähnlichkeit zwischen Tonleitern und der Sprechfrequenz analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Präferenz für die gängigen Tonleitern primär durch die umfassende Ähnlichkeit dieser mit einer Naturtonreihe begründet wird. Wie zahlreiche andere sensorische Fähigkeiten, ist die Fähigkeit des Menschen zur Wahrnehmung von tonalen Stimuli durch deren biologische Nützlichkeit begründet. Das Vorhandensein einer Naturtonreihe ist vor allem das herausragende Merkmal für die menschliche Vokalaussprache und von essenzieller Bedeutung für Rede und Sprache. Die Ähnlichkeit gängiger Musiktonleitern mit Naturtonreihen stellt die biologische Basis für die weltweite menschliche Bevorzugung ausgewählter Tonleitern dar. Der menschliche Hörkanal sowie die Basilarmembran in der Hörschnecke sind optimal auf die Weiterleitung von menschlicher Vokalaussprache ausgerichtet. Zudem zeigen Beispiele in der Tonwahrnehmung - Stichwort Residualton - dass das menschliche Gehör optimal auf die Verarbeitung von Stimmgeräuschen ausgerichtet ist.
Die Tatsache, dass Musik - auch Instrumentalmusik - fast ausschließlich im Frequenzbereich der menschlichen Stimme angesiedelt ist und dass Instrumente eine klangfarbliche Ähnlichkeit mit dieser aufweisen, sieht das Forschungsteam als Begründung für die evidente Bevorzugung von Fünfton- und Siebentonmusik. Wir haben also im wahrsten Sinne des Wortes ein Ohr für die Töne der menschlichen Stimme entwickelt, die sich eben auch in der Musik - nicht nur in Form von Sprechgesang - widerspiegelt.
via: PLoS ONE; Bild: flickr/D-32



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