Dreifache Lesegeschwindigkeit nach nur zwanzig Minuten? Ein Selbstversuch.
Unbestritten, dass es sie gibt: Techniken, die die Lesegeschwindigkeit eines Menschen wesentlich verbessern. Auch unbestritten, dass es sie gibt: Menschen, die keine dieser Techniken beherrschen und neidisch auf die schauen, die sie beherrschen. Von Letzteren gibt es nicht wenige und viele von ihnen versuchen gütigerweise ihre Technik anderen weiterzugeben. Sehr viele sogar, denn mit einschlägigen Ratgebern ließen sich vermutlich ganze Bibliotheken füllen. Auch das Web bietet diesbezüglich eine große Auswahl.
Ohne wirklich danach gesucht zu haben, fand sich eine Überschrift, die gleichermaßen in Staunen und Skepsis versetzte. “Scientific Speed Reading: How to Read 300% Faster in 20 Minutes” verspricht der Amerikaner Timothy Ferriss (ein Mann mit beachtlicher Biographie) in seinem Blog, in welchem er Ratschläge und Techniken zur Vereinfachung des Alltags bietet. Alles was es dafür braucht, wäre ein Buch mit mehr als 200 Seiten, ein Schreibgerät, eine Stoppuhr und eben zwanzig Minuten Zeit. Also nichts wie ran.
Zuerst wird erklärt: Zahlen und Referenzen, die sich leicht behaupten, aber nur schwer beweisen lassen - kann man also glauben oder nicht. Interessanter wird es, wenn er versucht, die “Bremsen” der Lesegeschwindigkeiten zu analysieren. Er unterscheidet drei wesentliche Probleme, die es zu eliminieren gilt: Das Fixieren von Textstellen, das bewusste Nochmal-Lesen sowie die Enge und horizontale Ausrichtung des Blickfeldes.
Die eigentliche Methode unterteilt sich dann in vier Schritte. Schritt eins dient der Erfassung der bisherigen Lesegeschwindigkeit, um später einen Vergleichswert zu haben. Mit 270 Wörtern pro Minute würde unsere Testperson dem US-amerikanischen Durchschnitt entsprechen. Nicht wissend, ob das nun erfreuen soll, geht es an Schritt zwei, dessen Ziel es ist, mit Hilfe eines Schreibgerätes als “Wegweiser” einen durchgehenden Lesefluss aufrecht zu erhalten. Im dritten Schritt werden diese Übungen wiederholt mit dem Zusatz, dass stufenweise auf mehr Randwörter verzichtet wird, um den Blick auf das Zentrum zu konzentrieren und somit das Blickfeld zu erweitern. Bei allen Übungen ist die Geschwindigkeit vorgegeben. Das Leseverständnis wird vorerst außer Acht gelassen. Im vierten und letzten Schritt geht es nun darum, die neue Geschwindigkeit und somit die Verbesserung zu messen. Schritt eins wird wiederholt und das Ergebnis ist tatsächlich besser: Knapp 530 Wörter sind es jetzt. Die Übungen scheinen tatsächlich zu helfen.
Das Verfahren gewährleistet allerdings nicht, dass man diese Techniken nach einem Durchlauf perfekt beherrscht. Zur dauerhaften Verbesserung, ist regelmäßiges Üben unerlässlich. Aber Fakt ist, es wirkt. Von Verdreifachung in zwanzig Minuten kann zwar - zumindest bei uns - keine Rede sind, aber das Christkind kommt ja schließlich nur einmal im Jahr.
Bild: veezzle.com/ lusi



Wieder einmal keine Ahnung, wohin die kommende Reise gehen soll? Lassen Sie doch einfach den Zufall entscheiden. Wofür man in der vormultimedialen Ära noch einen wendigen Globus und einen spitzen Pfeil benötigte, reicht heutzutage nur mehr ein Mausklick auf der richtigen Website.
