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Dreifache Lesegeschwindigkeit nach nur zwanzig Minuten? Ein Selbstversuch.

Bernhard Schinwald, 13. November 2010, Jetzt kommentieren

Mehr und schneller lesenUnbestritten, dass es sie gibt: Techniken, die die Lesegeschwindigkeit eines Menschen wesentlich verbessern. Auch unbestritten, dass es sie gibt: Menschen, die keine dieser Techniken beherrschen und neidisch auf die schauen, die sie beherrschen. Von Letzteren gibt es nicht wenige und viele von ihnen versuchen gütigerweise ihre Technik anderen weiterzugeben. Sehr viele sogar, denn mit einschlägigen Ratgebern ließen sich vermutlich ganze Bibliotheken füllen. Auch das Web bietet diesbezüglich eine große Auswahl.

Ohne wirklich danach gesucht zu haben, fand sich eine Überschrift, die gleichermaßen in Staunen und Skepsis versetzte. “Scientific Speed Reading: How to Read 300% Faster in 20 Minutes” verspricht der Amerikaner Timothy Ferriss (ein Mann mit beachtlicher Biographie) in seinem Blog, in welchem er Ratschläge und Techniken zur Vereinfachung des Alltags bietet. Alles was es dafür braucht, wäre ein Buch mit mehr als 200 Seiten, ein Schreibgerät, eine Stoppuhr und eben zwanzig Minuten Zeit. Also nichts wie ran.

Zuerst wird erklärt: Zahlen und Referenzen, die sich leicht behaupten, aber nur schwer beweisen lassen - kann man also glauben oder nicht. Interessanter wird es, wenn er versucht, die “Bremsen” der Lesegeschwindigkeiten zu analysieren. Er unterscheidet drei wesentliche Probleme, die es zu eliminieren gilt: Das Fixieren von Textstellen, das bewusste Nochmal-Lesen sowie die Enge und horizontale Ausrichtung des Blickfeldes.

Die eigentliche Methode unterteilt sich dann in vier Schritte. Schritt eins dient der Erfassung der bisherigen Lesegeschwindigkeit, um später einen Vergleichswert zu haben. Mit 270 Wörtern pro Minute würde unsere Testperson dem US-amerikanischen Durchschnitt entsprechen. Nicht wissend, ob das nun erfreuen soll, geht es an Schritt zwei, dessen Ziel es ist, mit Hilfe eines Schreibgerätes als “Wegweiser” einen durchgehenden Lesefluss aufrecht zu erhalten. Im dritten Schritt werden diese Übungen wiederholt mit dem Zusatz, dass stufenweise auf mehr Randwörter verzichtet wird, um den Blick auf das Zentrum zu konzentrieren und somit das Blickfeld zu erweitern. Bei allen Übungen ist die Geschwindigkeit vorgegeben. Das Leseverständnis wird vorerst außer Acht gelassen. Im vierten und letzten Schritt geht es nun darum, die neue Geschwindigkeit und somit die Verbesserung zu messen. Schritt eins wird wiederholt und das Ergebnis ist tatsächlich besser: Knapp 530 Wörter sind es jetzt. Die Übungen scheinen tatsächlich zu helfen.

Das Verfahren gewährleistet allerdings nicht, dass man diese Techniken nach einem Durchlauf perfekt beherrscht. Zur dauerhaften Verbesserung, ist regelmäßiges Üben unerlässlich. Aber Fakt ist, es wirkt. Von Verdreifachung in zwanzig Minuten kann zwar - zumindest bei uns - keine Rede sind, aber das Christkind kommt ja schließlich nur einmal im Jahr.

Bild: veezzle.com/ lusi

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Der Grand Canyon und seine Freunde

Bernhard Schinwald, 12. November 2010, Jetzt kommentieren

Nichts ist imposanter und schöner als die Natur selbst. Und nichts als unsere direkte Wahrnehmung ist eher in der Lage, uns die Natur in ihrer Formvollendung darzustellen - keine Fotos, keine Videos, einfach nichts. Aber selbst unmittelbar mit diesen Eindrücken konfroniert, fällt es uns gelegentlich schwer, das Gesehene und Erlebte wirklich zu begreifen. Wenn jedoch bereits Fotos und Videos ausreichen, um jemanden in Staunen zu versetzen, ist nur schwer auszumalen, wie sprachlos und überwältigt man direkt vor Ort sein muss.

Journey through Canyons from Metron on Vimeo.

Der Amerikaner Victor Novikov hat ein Team um sich versammelt, mit dem er zusammen die Canyons im Südwesten der Vereinigten Staaten mittels Videos und Fotos aufzuzeichnen versuchte. Die Highlights fasst er, im Zeitraffer dargestellt, in einem Video zusammen. “Journey through Canyons”, so der schlichte Titel, bietet eine vierminütige visuelle Reise durch den Glen Canyon, den Byrce Canyon, den Zion Canyon und den weltberühmten Grand Canyon. Aufgezeichnet wurde Tag und Nacht, wobei auf die toristischen Aussichtsplattformen verzichtet wurde, um die Landschaft von selten gesehenen Perspektiven zu zeigen.

Das Resultat: Vier Minuten pure natürliche Schönheit, vier Minuten bloßes Staunen und vier Minuten die Frage “Ist das wirklich echt?”. Eine Frage, die sich wohl nur vor Ort wirklich beantworten lässt.

Menschen, mit Interesse an Aufnahmetechniken, sei hier noch eine Fotodokumentation als Making-of empfohlen.

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Globus drehen war gestern

Bernhard Schinwald, 11. November 2010, Jetzt kommentieren

Globus drehen war gesternWieder einmal keine Ahnung, wohin die kommende Reise gehen soll? Lassen Sie doch einfach den Zufall entscheiden. Wofür man in der vormultimedialen Ära noch einen wendigen Globus und einen spitzen Pfeil benötigte, reicht heutzutage nur mehr ein Mausklick auf der richtigen Website.

Eine Lösung heißt Global Genie. Ein Zufallsgenerator teleportiert Sie an einen beliebigen Ort. Dargestellt durch Google Street View findet man sich in einer fremden Umgebung wieder. Wer an der Örtlichkeit Gefallen findet, schaut sich ein wenig um; wer nicht, teleportiert sich weiter. Und mit Geduld und ein bisschen Glück entdeckt man vielleicht tatsächlich eine Gegend, die besuchenswert erscheint.

Ungefähr genauso funktioniert auch MapCrunch. Abgesehen von der Oberfläche unterscheiden sich die beiden Dienste lediglich in zwei zusätzlichen Funktionen, die MapCrunch zu bieten hat. Zum einen kann man optional nur bewohnte Gegenden anzeigen lassen, zum anderen gibt es die Möglichkeit einer Slideshow, wobei in selbstgewählten Intervallen der Ort automatisch gewechselt.

Sollten Sie also zu den Menschen gehören, die sich für ihre Urlaubsideen gerne von Fingerzeig oder Pfeilwurf auf den drehenden Globus inspirieren lassen, sind sie mit den beiden vorgestellten Diensten wohl besser versorgt. Denn die Vorteile liegen auf der Hand:

  1. Es wird nichts beschädigt.
  2. Man bekommt tatsächlich ein Bild von der Umgebung (und das ist nicht immer unlustig).
  3. Die 71 prozentige Wahrscheinlichkeit im Wasser zu landen ist ausgeschlossen.

Bisweilen werden allerdings nur Destinationen “angeflogen”, die von Google Street View erfasst wurden. Heimaturlaub in Österreich auf diesem Wege ist also derzeit ausgeschlossen.

Bild: piqs.de/ wawa@die-genossen.de

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Airbagschutz auch am Fahrrad

Bernhard Schinwald, 10. November 2010, Jetzt kommentieren

Airbagschutz auch am FahrradFahrradhelme nerven. Wieso? Weil sie umständlich sind, meist seltsam aussehen und die Frisur zerstören. Alternativen gab es bislang leider kaum. Aber das ändert sich jetzt. Denn zwei schwedische Designerinnen haben sich dem Problem angenommen, den “Hövding” kreiert und dabei Großes geschaffen.

Der Hövding ist gewissermaßen der Airbag für den Kopf des oder der Radfahrenden. Getragen wird er ganz unscheinbar um den Hals, wie eine Halskrause. Im Falle eines Sturzes oder Unfalls reagiert ein integrierter Sensor auf die unübliche Bewegung. Es öffnet sich ein weißer Nylonpolster, der vom Aussehen her eher an einen Trockenhaube erinnert und legt sich in Sekundenbruchteilen über den Kopf. Der Polster wird mit Helium gefüllt. Der Aufprall wird dadurch deutlich abgefedert und der Kopf vor schweren Verletztungen geschützt.

Airbagschutz auch am Fahrrad

Der Hövding, was auf Deutsch soviel heißt wie Stammesfürst oder Häuptling, ist außerdem mit einer elektronische Einheit ausgestattet, die mittels einer “Black Box” die Sekunden vor und während der Öffnung aufzeichnet. Im Falle eines Sturzes kann man diese Daten zurück an die Herstellerinnen senden, die die entsprechenden Erfahrungen für die Weiterentwicklung des Produktes verwenden.

Sechs Jahre haben Anna Haupt und Terese Alstin angeblich daran getüfftelt. Das Ergebnis ist erstaunlich. Dass der Hövding den Sicherheitsanforderungen genügt, wurde sogar schon in Crashtests überprüft und bestätigt. Im Handel ist der Hövding noch nicht erhältlich, allerdings werden online bereits Vorbestellungen entgegengenommen.

Also nie wieder die Wahl zwischen nervigem Helm inklusive zerstörter Frisur oder unsicherem Fahrradfahren, sondern mit genialer Innovation schön bleiben und dennoch den Kopf schützen.

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Die eigenen vier Wände mit zwei Flügeln

Bernhard Schinwald, 26. Oktober 2010, Jetzt kommentieren

Die Boeing 747, besser bekannt als Jumbo-Jet, gilt als ein Meilenstein der Luftfahrt. Über 40 Jahre nach ihrem Jungfernflug versetzt sie in ihrer Dimension und technischen Raffinesse noch immer Menschen in Staunen und bleibt eines der meistgenutzten Langstreckenflugzeuge. Sie transportierte nicht nur Fracht, militärisches Gerät und normale Reisende sondern auch Staats- und Regierungschefs aus aller Welt.

Was man - außer fliegen - noch mit einer Boeing 747 anstellen kann, hat die Ingenieure von damals wohl eher weniger beschäftigt. Nicht so die kreativen Köpfe des kalifornischen Architektenbüros David Hertz Architects. Diese sind nämlich gerade dabei, im sonnigen Malibu einen Jumbo-Jet in eine luxuriöse Privatresidenz umzubauen.

Eine Fläche von 22 Hektar steht den Architekten dabei zur Verfügung, wobei das Flugzeug andernorts dekonstruiert und die Einzelteile mittels Helikopter direkt zur Baustelle geliefert werden. Lediglich 50.000 Dollar kostete die ausgemusterte 747, die aus circa 4,5 Millionen Einzelteilen besteht und deren Entsorgung daher entsprechend kompliziert gewesen wäre. Das sogenannte Wing-House, das mittlerweile von führenden Architekturjournalen als das ultimative Recyclinghaus gepriesen wird, wird zudem mit umweltfreundlichen Energiesystemen ausgestattet.

Ein bisschen Kreativität, ein bisschen Mut und ein bisschen Verrücktheit und schon sind alle glücklich: Die Airline, die sich nicht um die Entsorgung kümmern muss, die Umwelt, die die Entsorgung nicht ertragen muss, das Architektenbüro, das mit einem Prestigeprojekt sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und schließlich die glückliche Besitzerin, die in Kürze ein modernes, luxuriöses und aufsehenerregendes Anwesen ihr Eigen nennen darf.

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