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Auszeit

Welthundetag

Von Administrator am 10. Oktober 2018

Die einen vergöttern sie, die anderen verdammen sie (und sollten das in erster Linie mit den verantwortungslosen Haltern tun): die treuen Begleiter des Menschen auf 4 Pfoten.

Hund geht es gut
Ivan geht’s grad gut

Vom Chihuahua bis zur Deutschen Dogge – anlässlich des heutigen Welthundetages werden wohl weltweit genügend Leckerli Richtung Schnauze wandern. Als jahrzehntelanger Hundehalter (und mittlerweile auch Hundetrainer) lernt man die verschiedenen Sichtweisen von Gegner und Befürwortern von Rex, Lassie & Co. naturgemäß sehr rasch kennen.

MEIN Hund darf auf die Couch … er verlässt sie aber auch, wenn ich es ihm anzeige.

Robert Kotric –  Hundeverhaltenstrainer 

Für viele Menschen bedeuten Hunde Ärger. Wegen Kothäufchen am Straßenrand, oder zu lautem Gebell in der Nachbarschaft, 
weil die Vierbeiner hochspringen oder auch sabbern und haaren.

Abgesehen vom letzten Punkt obliegen die übrigen angeführten Beispiele der Verantwortung des Hundehalters. Noch immer „besitzen“ zu viele Menschen einen Hund und behandeln ihn mehr als Sache, denn als Familienmitglied. Hundeführer, die ihren Hund nicht „führen“, sondern ihm die Verantwortung für sich selbst überlassen, indem sie das Tier nicht entsprechend beschäftigen oder versorgen, haben früher oder später Probleme mit ihrem „plötzlich verhaltensauffälligen“ Hund.

Hunde
Flux und Illy bei erster Annäherung

MEIN Hund darf auf die Couch … er verlässt sie aber auch, wenn ich es ihm anzeige. Mein Hund darf auch am Mittagstisch unter mir liegen … denn er wartet nicht in einer Sabberlacke darauf, dass endlich etwas abfällt. Mein Hund darf jeden Menschen begrüßen, der ins Haus kommt … die Entscheidung, wer willkommen ist, obliegt ohnehin mir und nicht ihm. Mein Hund darf meist auch ohne Leine laufen … da ich für ihn das Wichtigste bin, egal ob 2 Meter vor uns ein Reh aus dem Gebüsch hüpft, 4 lachende Kinder vorbeilaufen oder ein anderer Hund mit seinem Menschen an uns vorübergeht … er wird auf Signal stets neben mir gehen (und dennoch wird er immer angeleint, wenn uns jemand entgegenkommt – das gehört für mich zum respektvollen Umgang untereinander dazu, immerhin könnte sich dieser Jemand ja auch vor Hunden fürchten).

Das alles darf mein Hund … aber das alles bedingt auch eine liebevolle, konsequente Erziehung bis es soweit ist, dass der beste Freund des Menschen auch auf meine Signale hin reagiert. Das Eine (liebevoll, geduldig) schließt das Andere (konsequent) nicht aus. Lieber bin ich ein so genannter „Wattebäuschchenwerfer“, als jemand, der seinen Hund mit aggressiven Methoden „unterwirft“. Das beginnt schon bei der oft benutzten Spritzpistole oder Wasserflasche bzw. damit, dass der hungern sollt und nur aus einem Beutel gefüttert wird. Welcher Mensch könnte sich ohne Nahrung konzentrieren? Mein Hund erkennt die von mir ausgesendeten Signale (ich vermeide bewusst das Wort „Kommando“) und führt diese dann auch gerne aus … ist ja ohnehin mit einem positivem Verstärker (Leckerli, Spielzeug, Lob) verknüpft.  

Mio und Mia lernen Geduld und Aufmerksamkeit auf die Besitzer

Leider gibt es unter Hundehaltern, wie Hundetrainern auch schwarze Schafe, die die Hunde nicht entsprechend halten oder auslasten (z.B. durch Nasenarbeit), sondern sie emotional bewusst pushen (z.B. bei falscher Schutzarbeit), oder die Hunde frei laufen lassen, auch wenn der Rückruf nicht funktioniert. Ebenso ärgerlich ist es, wenn für sie das viel zitierte „Gackerl-Sackerl“ zum Fremdwort wird. Wie kann ich auf die Toleranz von Menschen, die mit Hunden ganz einfach nichts am Hut haben, hoffen, wenn ich mich selbst daneben benehme und die einfachsten Benimmregeln nicht beherrsche. Umgekehrt ist die aktuelle „Maulkorbpflicht für alle“-Diskussion mehr als entbehrlich. Eine solche Sippenhaftung ist weder zu administrieren, noch zu exekutieren. Ich nehmen auch nicht allen 18jährigen den Führerschein, nur weil einer einen verhängnisvollen Verkehrsunfall verursacht hat.

Vespa lernt gerade Rampe fürs Aus- und Einsteigen kennen

Viel besser wäre es (für mich), ALLE Hundehalter (verpflichtend) entsprechend zu schulen und auch Vorarbeit in Schulen und Kindergärten zu leisten. Ich versuche das in Form von Vorträgen, wie man sich einem Hund nähert, oder wann man sich einem Hund überhaupt nähern darf. Die verwendeten Stoffhunde sind sehr beliebt und gegen etwas Aufgeld besucht auch ein ausgebildeter Therapiehund die Klasse.

Mein Wunsch zum heutigen Tag wäre es – im Sinne aller – einerseits mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn der Mensch fürchtet sich in der Regel vor allem vor Unbekanntem. Andererseits sollte JEDEM Hundehalter (selbst wenn er „nur“ einen Chihuahua führt) seine eigene Verantwortung gegenüber anderen Menschen, Hunden und vor allem seinem eigenen Hund klar sein.

Robert Kotrc (Nachrichtensprecher, Unternehmensberater, Hundeverhaltenstrainer 

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