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Auszeit, Entspannung, Pleasure

Wofür will ich frei sein?

Von Nina Bayer am 28. Juni 2018

Wer es wählt ein freier Mensch zu werden, der darf sich zunächst mal fragen: Will ich frei sein VON etwas oder FÜR etwas?
Die meisten Menschen, die sich Freiheit wünschen, denken dabei nur an die Zwänge und Unfreiheiten, deren Opfer sie zu sein glauben. Wer aber wahre Freiheit leben will, darf sich fragen: Mit was fülle ich dann diesen Freiraum?

Wie genau und wofür will ich Freiheit leben? Solange wir nur von etwas weg wollen, von etwas frei sein wollen und dagegen sind, erzeugen wir unbewusst immer wieder genau das , was wir nicht wollen – die Unfreiheit. Freiheit bedeutet nicht „Unabhängigkeit“ und auch nicht „Ungebundenheit“. Wir sind ja alle miteinander verbunden und auf Bereitschaft angewiesen: auf der Erde, im eigenen Land, in der Familie, in der Firma.

Vielleicht muss man den Freiheitsbegriff dazu etwas näher betrachten. Man kann sich zum Beispiel für Pizza, Pasta oder Salat entscheiden. Aber wenn man sich für keine dieser Möglichkeiten entscheidet, bleibt man hungrig. Die Entscheidung setzt eine Wahlmöglichkeit voraus, die „Ent-Scheidung“, das Verlassen des Scheideweges durch den Beschluss, einen bestimmten Weg auch wirklich zu gehen. Sich eine bestimmte Richtung zu geben setzt voraus, dass es beim Entscheidungsprozess kein „Muss“ gibt, dass kein Zwang besteht, einen bestimmten Weg gehen zu müssen. Zweitens aber wird sehr schnell deutlich, dass dieses Freisein „von“ nur die halbe Wurst ist, null Sinn macht, wenn es nicht auch ein Freisein „für“ gibt. Das heißt, wenn man sich nicht wirklich für etwas entscheidet, bleibt man ein Sklave seiner Unentschiedenheit, oder, wie im obigen Fallbeispiel, man geht dann eben hungrig ins Bett. Es erinnert an Buridans Esel, der ein philosophisches Gleichnis darstellt, das auf den persischen Philosophen Al-Ghazālī (1058–1111) zurückzuführen ist: „Ein Esel steht zwischen zwei gleich großen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert schließlich, weil er sich nicht entscheiden kann, welchen er zuerst fressen soll.“

 

 

 

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