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So einfach

Schreiben Sie Geschichten, die tatsächlich gelesen werden

Von Tanja Reif am 9. Januar 2018

Die ersten Zeilen langweilen Sie, nach der ersten Seite hinken Sie inhaltlich hinterher? Irgendetwas ist hier deutlich schiefgelaufen. Sie wollten doch einfach nur lesen und nicht lernen. Folgen Sie mir zu einem Beispiel und testen Sie, ob Sie dieses als Lesevergnügen einstufen würden.

Geschichten

„Die Struktur einer ambivalenten Beziehung beeinträchtigt das visuelle und kognitive Wahrnehmungsvermögen extrem.“ Sie können bestimmt auf Anhieb verstehen, was hier so ausgiebig mit Fremdwörtern umschrieben wurde. Nein? Sie müssen den Satz erneut lesen, um eine leise Ahnung davon zu bekommen, was in drei Wörtern ausgedrückt werden könnte. Hier wurde „Liebe macht blind“ verkompliziert und Sie zu einer richtigen akrobatischen Meisterleistung Ihrer Gehirnwindungen gezwungen.

Geschichten, Texte oder Sätze sollen jedoch nicht mehr Fragen als Informationen aufwerfen. Geschichten werden beim Lesen gelebt, sie lassen Bilder im Kopf entstehen. Sie laden ein zum Eintauchen in die einzelnen Szenen. Sie werden zur Figur in der Geschichte, Sie erleben, was geschieht. Bei Ihren Geschichten greifen Sie ungern zum Fremdwörterbuch, welches Ihnen erklärt, wie Sie Ihre Erlebnisse zu deuten und zu verstehen haben.

Warum wird immer geglaubt, je mehr Fachsimpeleien in einer Geschichte enthalten sind, desto wertvoller ist diese. Ihnen wird aufgebürdet, ständig aus der Geschichte auftauchen zu müssen, da wieder einmal ein Wort nach einer Recherche verlangt. Wollen wir nicht alle einmal in einer Geschichte ein Abenteuer bestreiten, das Glück finden und uns vollends den Geschehnissen hingeben?

Beim Lesen sollte nicht das ständige Lernen im Vordergrund stehen. Dazu sind Bücher- und Fachzeitschriften da, die wir bewusst wählen, um Inhalte zu erlernen. In unseren Geschichten erwecken wir Bilder zum Leben und werden für geraume Zeit Teil dieser Szenerie. Geschichten lesen, weil wir Freude daran haben, erlaubt ein Stück dem Alltag zu entfliehen, ohne uns gewissen Rechtfertigungen stellen zu müssen.

Geschichten die gelesen werden, sind Geschichten die das Leben schreibt. Denn das Leben selbst ist die beste Geschichte der Welt. Wer schreiben will, muss dem Leben offen gegenübertreten, es bei der Hand nehmen und mit ihm gemeinsam den Weg des Schreibens bestreiten.

So manövrieren sich die besten Geschichten dorthin, wo sie auch hingehören – in die Herzen der Leser.

Bild: Incase

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