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Auszeit

Was Karma wirklich bedeutet

Von Kristin Natalie Urbanek am 8. Juni 2017

Wie würden Sie Karma beschreiben? Vielleicht mit den Worten „Ausgleichende Gerechtigkeit“? Wenn einem Menschen, den wir – aus welchen Gründen auch immer – nicht mögen, etwas Schlechtes widerfährt, so freuen wir uns doch meistens ganz besonders. „Tja, das ist Karma“, sagen wir dann und grinsen schadenfroh in uns hinein.

In der westlichen Welt hat Karma eine Bedeutung bekommen, die leider so gar nicht mit der wahren Bedeutung dieses Wortes übereinstimmt. Denn Karma ist kein unheilvolles Gleichgewicht und Karma belohnt und bestraft auch nicht.

Die wahre Bedeutung von Karma

Die Buddhisten dieser Welt würden bei dieser Vorstellung vermutlich den Kopf schütteln. Für sie ist Karma eng an den Kreislauf der Wiedergeburten gekoppelt. Die Seele wird wiedergeboren, bis sie sich so weit entwickelt hat, dass sie Erleuchtung erlangt und aus dem Kreislauf von Geburt, Altern, Krankheit und Tod ausscheiden darf, um ins leidfreie Nirwana einzutreten.

Karma ist also so etwas wie die Maßeinheit, in der unsere Entwicklung gemessen wird. Es geht darum, dass wir lernen und wachsen, unser Mitgefühl entwickeln und uns immer weniger verstricken in Zorn, Missgunst, Schadenfreude und anderen unheilsamen Gefühlen und Handlungen, die uns im Leid gefangen halten. Es ist eine Entwicklung, die uns größer machen soll und nicht kleiner, indem wir Schadenfroh und gemein sind. Gute Taten erzeugen ein positives Echo, schlechte Taten ein negatives. Mit Belohnung oder Strafe hat das jedoch alles überhaupt nichts zu tun, sagen die Buddhisten. Dem Karma ist es vollkommen egal, ob wir Gutes oder Schlechtes tun – wir erhalten einfach nur das Echo, das wir selbst hervorrufen durch unser Tun. Karma belohnt nicht und es straft nicht. Und es wird sich auch um nichts kümmern.

So wie wir Karma porträtieren, machen wir es uns also ganz schön einfach. „Lass das Karma das machen, kümmer dich nicht weiter darum.“ Solche Sprüche hindern uns am Wachstum und lassen uns abstumpfen.

Viel besser wäre es Karma als positive Kraft zu betrachten, die uns lehren will zu wachsen, zu heilen und zu lernen. Denn das ist viel wertvoller, als das unheilvolle Karma, an dem wir unser Schicksal messen.

Bild: Shelby H.

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