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Auszeit

Nomophobie – die Angst vor der Unerreichbarkeit

Von Kristin Natalie Urbanek am 11. März 2015

Was macht Ihnen Angst? Zahnarztbesuche vielleicht? Oder doch eher ein schlechter Handyempfang?

Nomophobie, abgeleitet von„NoMobile-Phone-Phobia“, wörtlich „Kein-Mobiltelefon-Angst“, ist die Angst, mobil unerreichbar für soziale und geschäftliche Kontakte zu sein.

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Denn ein Telefon ist heute nicht mehr nur ein Telefon. Es ist viel mehr als das. Nicht ohne Grund heißen die Telefone von heute „Smartphones“, denn wir können beinah alles mit unseren Handys machen. Ob Fotos, E-Mails schreiben, den Tachenrechner benützen oder in sozialen Netzwerken aktiv sein – wir brauchen dafür nur unser Handy und das haben wir bekanntlich immer dabei. Sehen Sie sich einmal aktiv in Ihrem Umfeld um. Wenn die Menschen auf der Straße gehen, schauen Sie dann in die Gesichter ihrer Mitmenschen oder betrachten sie aufmerksam ihre Umgebung? Vermutlich betrachten Sie aufmerksam den Bildschirm ihres Smartphones, während sie hektisch darauf herumtippen und dabei eine Entschuldigung nuscheln, wenn sie einen anderen Menschen anrempeln.

Die kleinen Hilfsmittel sind allzeit bereit für Ihren Einsatz. Jede Minute der Ruhe und Stille wird mit einer „Smartphone-Runde“ gefüllt. Aber warum?

Eine britische Studie besagt, dass 66% der britischen Bevölkerung an Nomophobie leidet. Eine erschreckende Zahl, die stetig wächst.

Besonders Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren sind von Nomophobie betroffen, Frauen häufiger als Männer. Doch warum ist es für viele Nutzer so schwierig, abzuschalten? Und wie viel Handykonsum ist normal – und was ist Sucht? Im Schnitt wird das Mobiltelefon 34 Mal am Tag aus der Tasche gezogen, drei von vier Smartphone-Besitzern nehmen es gelegentlich sogar zum Lesen mit auf die Toilette. Ähnliche Ergebnisse lieferte jüngst eine Vodafone-Studie, die besagt, dass jeder dritte Nutzer bereit ist, einen Anruf beim Sex anzunehmen, sogar jeder Zweite bei einer Hochzeit.

Der Handyzwang kann schnell von einem geliebten Zeitvertreib zu einer echten Sucht werden. Betroffene Menschen leiden unter Angstzuständen und Panikattacken, wenn das Handy nicht griffbereit ist. „Nomophobe Menschen haben Angst, die Verbindung mit der Außenwelt zu verlieren“, sagt die US-Psychologin Elizabeth Waterman im Gespräch mit der „LA Times“. Die Expertin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Suchterkrankungen und leitet am Morningside Recovery Center in Kalifornien eine Gruppentherapie für Nomophobiker. „Wir müssen erklären, dass Menschen einen nicht vergessen, nur weil man für ein paar Stunden oder Tage nicht erreichbar ist. Dass Mitteilungen auch später gelesen werden können und man trotzdem ein glückliches Leben führen kann.“ In der Klinik lernen die Betroffenen verschiedenste Ablenkungsmethoden, um das Handy für ein paar Momente zu vergessen.

Wenn Sie vielleicht jemanden kennen oder selbst merken, dass Ihr Handy einen zu hohen Stellenwert in Ihrem Leben hat, versuchen Sie doch jeden Tag für ein paar Minuten oder Stunden ohne den kleinen Freund zu überstehen. Achten Sie bewusst auf Ihr Umfeld, auf Ihre Mitmenschen. Wenn Sie beispielsweise ein paar Minuten warten müssen, sehen Sie sich um – was entdecken Sie alles in der realen Welt? Glauben Sie mir, egal wer Sie anruft oder Ihnen schreibt – jeder kann ein paar Minuten warten.

Gefunden über: wikipedia.org; Bild: flickr.com/林涛

 

 

 

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