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Auszeit

Aus der Wüste ins Eis

Von Sandra Sonnleitner am 24. März 2014

Drei Klimazonen, 6435 Kilometer Küste, eine der spektakulärsten Gebirgsketten der Welt, Wüste, Gletscher, Vulkane, Fjorde, Seen, Steppen und Inseln – das alles ist Chile. Das längste Land der Erde ist schwer zu fassen. Seine Vielfalt gestattet kaum Klischees. Seine Bewohner und Bewohnerinnen halten sich fernab der üblichen lateinamerikanischen Stereotypen auf und der Tourismus hat es noch nicht geschafft, dem Land seine Substanz zu entziehen.

In Chile gibt es sie noch – die Möglichkeit allein zu sein, die Möglichkeit nahezu unberührte Orte zu besuchen und das Staunen über eine Szenerie, die man in diesem Teil der Erde möglicherweise nicht erwartet hätte. Chile von Norden nach Süden wirkt wie eine Reise vom nördlichen Afrika über die Mittelmeerregion und die Alpen zu den Küsten des Nordens, durch die tiefen Wälder und über die weitern Steppen Nordeuropas bis zu den Vulkanen und Geysiren Islands.

So gilt beispielsweise die Atacamawüste als trockendste Wüste der Erde. Sie erstreckt sich von der peruanischen über die bolivianische und ein Stück entlang der argentinischen Grenze. Dieser Teil Chiles ist kaum besiedelt und bietet über Stunden und Tage faszinierende Ein- und Ausblicke. Weiter südlich, rund um Santiago de Chile und im Zentralland herrscht mediterranes Klima, welches auf grünen Hügeln das Wachsen und Gedeihen eines der Exportschlagers Chiles begünstigt: Rotwein und hier allen voran Cabernet Sauvignon.

Eine Tagesreise von der Hauptstadt entfernt liegt das chilenische Seengebiet. Hier fällt es schwer sich die Trockenheit des Nordens in Erinnerung zu rufen. Die sanfthügelige Landschaft von der jene Seen umschlossen werden, gibt ihre Friedfertigkeit nur dann und wann in Form eines schneebedeckten Vulkans auf und erstrahlt in sattem Grün. Bevor der erste Europäer einen Fuß in diesen Teil des Kontinents setzte, war jene Region Land der Mapuche, die bis heute zumindest einen kleinen Teil ihrer indigenen Kultur bewahren konnten.

Einige Autostunden südlich von hier liegt die Insel Chiloé, deren Pfahlbauten seit geraumer Zeit dem Pazifik trotzen und deren Nationalpark Strände und Dünen beheimatet, die an Sylt erinnern. Letztlich folgen Patagonien und das Eis. Die lange Abgeschiedenheit dieser Region ist mancherorts noch spürbar, auch wenn Patagonien zum immer beliebteren Ziel für Abenteuersuchende wird.

Es ist ein Netz aus Flüssen, Gipfeln und Gletschern, welches Naturliebende, Erholungssuchende und Extremsportler und -sportlerinnen gleichermaßen anzieht. Doch nicht nur das – möglicherweise ist es das entrückende Gefühl sich an einem der letzten Posten der Zivilisation zu befinden, das Patagonien über seine landschaftliche Schönheit aus Blau, Weiß und Grün hinaus mit einem Mythos ausstattet, der nicht nur touristisch zu erstaunen weiß.

via: Lonely Planet Chile; Bilder: Josephine Palmetzhofer/Sandra Sonnleitner

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