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Lichtmess’ auf Peruanisch

Von Sandra Sonnleitner am 28. Juli 2011

Im Südosten Perus, auf 3800 Meter Höhe, an der Grenze zu Bolivien, an den Ufern des Titicaca-Sees liegt die Kleinstadt Puno. Nicht allzu reich an Sehenswürdigkeiten und architektonischen Delikatessen, dient sie Reisenden bisweilen nur als Ausgangspunkt für Reisen zu den Inseln des Titicaca-Sees oder nach Bolivien.

Jedoch genau das ist das Schätzenswerte an Puno. Die Tourismusindustrie hat ihre Schlinge noch nicht allzu eng um die Stadt gelegt und die oft an Disneyland erinnernde Manier, Touristen und Touristinnen alles Mögliche und Unmögliche, Passende und Unpassende bieten zu wollen, wie dies im weiter nördlich gelegenen Cusco geschieht, hat in Puno noch nicht Einzug gehalten. Abgesehen von den zahlreichen Souvenirgeschäften scheint es fast so, als würde das Leben auch ohne die meist aus dem Norden kommenden Besucherinnen und Besucher weitergehen.

Der Alltag wirkt etwas gemächlicher als in anderen peruanischen Städten, wozu die atemberaubende Höhe wohl das ihrige tut. Und noch etwas unterscheidet Puno von anderen vielbesuchten Orten in den peruanischen Anden: Das Tragen traditioneller Kleidung ist eher die Regel als die Ausnahme. So gilt Puno auch als Hauptstadt des peruanischen Brauchtums. Besonders augenscheinlich wird dies alljährlich in den ersten Februartagen, wenn der katholische Feiertag “Maria Lichtmess” begangen wird.

Auf Spanisch heißt das Fest “Fiesta de la Virgen de la Candelaria”. Es stellt einen der bedeutendsten Feiertage Perus dar und wird nirgendwo im Land aufwändiger begangen als in Puno. Die mehrtägigen Feierlichkeiten werden gerahmt von einer Unzahl von Paraden und Tanzvorführungen, die einerseits im Stadion der Kleinstadt und andererseits auf deren Straßen zu sehen sind. Dargeboten werden traditionelle Tänze aus der Region, wie der durchaus mitreißende Morenada oder der Sikuri.

Schlicht überwältigend für das Auge ist die Farbenpracht der Kostüme und Trachten, die je nach Herkunft der Trägerin oder des Trägers variiert. Obligatorisch für Frauen ist das Tragen mehrere Röcke, einer Kopfbedeckung sowie des traditionelle Tuches, das im Alltag sowohl zum Transport von Waren, als auch als Tragetuch für Babys und Kleinkinder verwendet wird. Herren tragen meist Kopfbedeckung, Gilet und Hose mit Bund. Die Feierlichkeiten dauern eine Woche an und enden mit einer katholischen Messe sowie der Kür der besten Kostüme und Bands im Stadion der Stadt.

Bilder: Sandra Sonnleitner