Unser Album der Woche: Rambazamba - Favela-Beats von Daniel Haaksman
Es passierte 1995 in der Technometropole Frankfurt am Main: Zwei Männer gründeten gemeinsam das Label Essay Recordings. Aber Essay produzierte keinen Techno. Die beiden Musiker waren zwar DJs und Deutsche, doch ihre Musik war anders als der Mainstream, der in Frankfurt damals gehört wurde. Östlicher.
Stefan Hantel (besser bekannt als Shantel) und Daniel Haaksman, sollten mit ihrer Musik äußerst bekannt werden. Den Grundstein für ihren Erfolg legten sie mit der Bucovina Club Compilation. Der eine wurde König des Balkan-Pop, der andere Großmeister des Baile Funk. Daniel Haaksman Botschafter des brasilianischen Ghetto-Raps in Europa. Auf nur ein einziges Genre kann man allerdings weder die Musik von Hantel noch von Haaksman festlegen. Und das sollte man auch nicht. Tanzen verbindet ihre Musik, Weltmusik für Weltbürgerinnen und -bürger.
Haaksmans Debütalbum „Rambazamba” ist im Mai auf seinem eigenen Label Man Recordings veröffentlicht worden. Mit 16 Stücken zeigt er eindrucksvoll, dass Baile Funk nicht aus den Favelas kommen muss, um authentisch zu klingen. Hier pumpen die Bässe, da läuten die Sirenen der Polizei, kurz bevor die Baile-Funk-Party von ihr aufgelöst wird.
Haaksman nimmt auch die Probleme, die der Baile Funk in seinen Texten beschreibt, mit in den Mix hinein. Sex, Gewalt und Drogenkriminalität in den Favelas - harte Texte transportieren harte Themen. In den 00er- Jahren schwappte die Welle des Rio Funk, wie Baile Funk auch genannt wird, nach Europa über. Diplo, Fatboy Slim, Skero, sie alle fanden Gefallen an dem brasilianischen Stil, remixten eifrig und verwendeten Baile Funk in ihrer Musik. Skeros Vorjahres-Sommerhit Kabinenparty basiert beispielsweise auf der Baile Funk-Nummer Popozuda Rock ‘N’ Roll von Edu K. Einer der wichtigsten Wegbegleiter für die Verbreitung des Stils in Europa ist jedoch Haaksman selbst.
Auf Rambazamba finden sich alte Bekannte wie Shantel und das Boban Marković Orkestar ein. Disco- Stomper reihen sich an Schlagzeug-Galöppe, die Synthesizerbässe wabern, orientalische Klaviersoli bringen Abwechslung und in einem Track fühlt man sich gar an Louie Austen erinnert. Haaksman präsentiert einen flotten Ritt durch kunterbunte Genres, zusammengehalten und getragen von markigen Beats und Raps.
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