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Das Licht, das Licht verschwindet nicht

Von Bernhard Schinwald am 2. Januar 2011

Das Licht, das Licht verschwindet nichtIn einer ihrer umstrittensten Verordnungen hat die EU-Kommision vor einigen Jahren festgestellt, dass handelsübliche Glühbirnen den Großteil ihrer Energie der Wärmeabgabe und nur einen kleinen Teil dem Leuchten – also ihrem eigentlichen Zweck – widmen, daher nicht mehr als Lampe verkauft werden können und somit in kommenden Jahren schrittweise aus den Ladenregalen verschwinden werden.

Für Siegfried Rotthäuser, leitender Mitarbeiter der Essener Ingenieursgesellschaft IgH, war diese Vorordnung – und speziell deren Wortlaut – Inspiration für eine “neue Erfindung”. Bereits kurze Zeit später präsentierte er den “Heatball”. Hierbei handelt es sich um einen Miniaturheizkörper in Form einer gläsernen Birne, der mithilfe eines Gewindes in eine Fassung eingedreht werden kann. Dadurch kann Strom in die Birne fließen, einen kleinen Metallfaden erhitzen und somit Wärme erzeugen.

Es drängt sich die Frage auf, was diese Neuheit von einer Glühbirne unterscheidet? Nun ja … nichts. Lediglich die Bezeichnung ist eine andere. Denn die EU-Anweisung besagt keineswegs, dass Glühbirnen verboten werden, sie verbietet lediglich ihren Verkauf als Leuchtkörper.

Gegen diese Miniaturheizung wird also nur schwer etwas einzuwenden sein, schließlich wird die Energie primär zur Wärmegewinnung genutzt. Dass der “Heatball” dabei auch leuchtet, sei ein “technisch bedingter Nebeneffekt”, der vom Produzenten nicht kontrolliert werden könne und bei bewusstem Kauf somit auch “keinen Reklamationsgrund” darstelle, wie Rotthäuser nicht versäumt klarzustellen. Einen Unterschied gibt es allerdings doch: Im Gegensatz zu den Glühbirnen, verfügt der Heizkörper nicht über eine künstlich begrenzte Lebensdauer: “Der Heatball kann viel länger heizen”, so der Vater des Projekts.

Die Idee entstammt eigentlich einer Blödelei unter Kollegen, wurde aber schnell ernst, als Rotthäuser die EU-Verordnung ein weiteres Mal und genauer las. Die ersten 1000 Stück an 75- und 100-Watt-Birnen (beide im heimischen Handel nicht mehr erhältlich) ließ er in China produzieren und waren nach kurzer Zeit vergriffen.

Wann und ob es eine neue Lieferung geben wird und ob sich der Essener Ingenieur künftig dauerhaft mit dem kleinen Heizelement seine Brötchen verdienen will oder ob seine Unternehmung nur als Beitrag satirischer Aktionskunst zu verstehen ist, bleibt vorerst offen. Sicherheitsheitshalber hat sich Siegfried Rotthäuser aber schon mal den Heatball als Marke schützen lassen.

via zeit.de/martenstein und ftd.de, Bild: flickr.com/kubina