Die Macht der Klänge
Es sind die Augen eines Menschen, die zum überwiegenden Teil die Umwelt verarbeiten und die Vorstellung der Lebenswelt gestalten. Doch auch weitere sinnliche Wahrnehmungen prägen sich ins Gedächtnis ein und rufen bei wiederholter Konfrontation Erinnerungen hervor. Beispielsweise Düfte, die Bilder eines bestimmten Ortes oder einer vergangenen Begebenheit wieder aufleben lassen. Oder der Geschmack des Lieblingsgerichts aus der Kindheit, der einen in diese Zeit zurückversetzt.
Ähnlich verhält es sich mit Klängen. Vor allem jene Musik, die einen Menschen in den wichtigen Phasen des Erwachsenwerdens begleitet hat, spielt auch im weiteren Leben eine bedeutende Rolle und führt nicht selten zu, in der sinnlichen Erfahrung über den Klang hinausgehende Reminisenzen. Wie kraftvoll Klänge tatsächlich sind, zeigt ein Blick auf die Reaktionen des Unterbewussteins: In Las Vegas sanken die Einnahmen durch Spielautomaten um 24 Prozent, als die Soundeffekte aus den Geräten entfernt wurden. Experimente haben gezeigt, dass Restaurantbesucherinnen - und besucher langsamer und mehr essen, wenn ihre Mahlzeit von Musik begleitet wird, deren Rhythmus langsamer als der Herzschlag ist. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die kreativen Köpfe der Werbebranche nicht nur versuchen das Auge anzusprechen, sondern auch mit Klängen zu emotionalisieren.
Die Jingles, die innerhalb eines Spots laufen, stehen meist in keiner Verbindung zum beworbenen Produkt, werden aber in der Wiederholung zum Identifikationsmittel mit diesem Produkt. Erfolgreichster Jingle dieser Art ist einem Experiment zufolge jener von Intel. Die damit beworbenen Computerchips sind im alltäglichen Gebrauch etwas wenig Konkretes und auch kein Produkt das durch seine Form oder Funktion emotionalisiert. Erst der Sound des Intelspots stellt den kleinen metallischen Chip als Gegenstand mit über sein Material hinausragenden Fähigkeiten dar.
Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge gibt es darüber hinaus einen Ton, der eine unschlagbare Wirkung auf das menschliche Handeln hat und der in der industrialisierten Welt mittlerweile nahezu suchtähnliches Verhalten hervorruft: Der Vibrationsalarm eines Handys. Obwohl dieser Klang eigentlich für Lautlosigkeit steht, verleitete das Ertönen dieses Geräusches die Teilnehmenden der Untersuchung so sehr zum Handeln, dass sie das Experiment abbrachen, um nach ihren Mobiltelefonen zu greifen.
via: fastcompany; Bild: flickr/ Cameron Cassan


